Dorferneuerung Erksdorf Entstehung des Erksdorfer Backhauses

von Klaus Ahrens ,Erksdorf

Ausgangssituation

In Erksdorf gab es seit 1950 keine gemeinschaftlich getragene Backhaustradition mehr. Eine Reihe von Ortsbewohnerinnen pflegt die Brotbacktradition zur Selbstverpflegung weiterhin im Privathaushalt.

Im Verfahren der Dorferneuerung wurde bereits in der Klärungsphase ( Herbst 1998 – Frühjahr 1999 ) der Wunsch nach einem Gemeinschaftsbackhaus formuliert. Es bildete sich eine Backhausinitiative aktiv backender Frauen mit dem Ziel, ein Backhaus für das Alltagsbacken sowie zur Bereicherung der zahlreichen Vereins – und Dorffeiern zu errichten und gemeinschaftlich zu nutzen.

Im Rahmen der städtebaulichen Entwicklungsplanung Erksdorf wurde zum einen ein Standort für das Backhaus in der Dorfmitte eingeplant, zum anderen formierte sich die Initiativgruppe und bekräftigte wiederholt ihr aktives Nutzungsinteresse.

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Stadtallendorf hat darauf in der Sitzung im Dezember 2000 im Maßnahmenkatalog ,,Dorferneuerung“ die Errichtung eines Backhauses in Erksdorf mit einem eigenen Kostenansatz unter der Einbindung von örtlicher Eigenleistung beschlossen.

Standort mit Priorität war für den AKDE die Dorfmitte, auch wegen der Belebung des dort zu gestaltenden Dorfplatzes.

Gründungsaktivitäten der Backhausinitiative

Die Backhausinitiative hatte zu der Zeit folgende Aktivitäten entwickelt :

1. Besichtigung des Backhauses in Wohratal - Langendorf und Erfahrungsaustausch mit dem dortigen Backhaus – Verein.
2. Informationsabend für Interessenten / innen aus Erksdorf im Bürgerhaus mit verschiedener Brotsorten.
3. Verteilung eines Fragebogens zur Akzeptanz und zum Interesse an einem Backhaus im Dorf.
4. Vorstellung der Gründungsinitiative an einer Bürgerversammlung zum Abschluss des Dorfentwicklungsplans im September 2000 sowie an einer öffentlichen Ortsbeirats- und AKDE – Sitzung im März 2001.
5. Informationsfahrt für Interessenten / innen nach Kirchhain – Burgholz und Austausch mit der dortigen Backgemeinschaft, heranziehen einer kompetenten Fachfrau von dort.
6. Besuch der Heskemer Backgemeinschaft und Erfahrungsaustausch.
7. Vorbereitung eines Mietvertrages zwischen der Backgemeinschaft und der Stadt Stadtallendorf (Vorlagen: Entsprechende Vertragswerke mit den Gemeinden Ebsdorfergrund und Wohratal ).
8. Bereitstellung einer Gewerkenliste der Eigenleistungsmöglichkeiten an die Stadt Stadtallendorf.


Nutzungsvorstellungen (2001 /2002 )

Neben den regelmäßigen Alltagsbacken der Backgemeinschaftsmitglieder sind die weiteren Nutzungsmöglichkeiten geplant.

1. Belieferung der örtlichen Feste mit z.B. Zwiebelkuchen, Zwetschkenkuchen, Pizza, frischem Schmalzbrot etc. durch die Backgemeinschaft.
2. Einbindung der Grundschule u. der Kindergärten ( Backkurse für Schulkinder )
3. Einbindung der VHS ( Backkurse )
4. Vermietung für private Zwecke ( Geburtstage etc. ) an Einzelpersonen und Vereine/ Gruppen ist denkbar, erwünscht und in der Backhausordnung auch festgehalten.


Eine kommerzielle Nutzung durch Privatpersonen wird grundsätzlich nicht in Erwägung gezogen !
Zu der Backgemeinschaft hatten damals viele Personen aus Erksdorf ihre Unterstützung und ihr Interesse an einer Mitnutzung geäußert ( gemäß Unterschriftenliste der Backgemeinschaft ) , davon auch eine hohe Anzahl von Männern. Die Initiativgruppe hat sich zur Vorbereitung der Gründerversammlung am 09. Mai 2001 getroffen. Der Termin der Gründerversammlung fand am 06.06.2001 statt.

Formalien

Die Initiative hat am 06.06.2001 einen Gemeinschaftsvertrag unterzeichnet ( 21 Unterschriften ) und nennt sich seither offiziell „ Backgemeinschaft Erksdorf ’’. Gleichzeitig hat sie eine Geschäftsordnung, eine Vertretung nach außen und für bestimmte Sachgebiete eine Backhausordnung und einen Nutzungsvertrag gegenüber Dritten aufgestellt. Der Stadt Stadtallendorf wurde ein Entwurf für einen Mietvertrag vorgelegt.

Emissionen

Wie oben ausgeführt, muss die Gefahr von Emission so gering wie möglich bleiben, um die künftige Akzeptanz durch die Anlieger zu gewährleisten. ( Das ist mit dem Neubau hervorragend gelungen ).
Im Vorfeld der eigentlichen Backhausnutzung empfiehlt sich zur Emissionsvermeidung zum einen die Errichtung eines möglichst hohen Schornsteins ( 4-5 m ) zum anderen der Einbau einer vorgefertigten Brennkammer als Fertigelement ( Heuft Backofen ) in der gewünschten Größe.
Beim Heizvorgang selbst ist unbedingt darauf zu achten, das nur ausreichend trockenes und unbehandeltes Holz ( Buche ) verwandt wird ; dies ist in der Nutzungsordnung festgehalten.


( Natursteinbackofen als Zwei-Seitenfeuerungsofen )


Eigenleistungen

Es wurde sowohl von Seiten der Stadt wie auch der Förderbehörde von der Einbringung von Eigenleistung bei der Errichtung des Backhauses ausgegangen.
Die Initiativgruppe konnte im baufachlichen Bereich Installationsgewerke, Maurer und Fliegenleger nachweisen.
Weitere Eigenleistungen in anderen Gewerken sollten im Ort u. in den Ortsvereinen nachgefragt werden.
Hier war / ist ein hohes Maß an Eigenleistungen üblich ( Beispiele : Sportlerheim, Grillhütte, Bürgerhausanbau ).
Die Backgemeinschaft hatte der Stadt eine ausgearbeitete Gewerkenliste übergeben.

Das Backhaus wurde letztendlich komplett in Eigenleistungen errichtet.( ausgenommen Backofen )

Vereinsführung

Am 19. Dezember 2001 wurde eine Mitgliederversammlung einberufen mit folgendem Ergebnis.
1. Der jetzige Verein wurde gegründet. 2. Eine Satzung aufgestellt mit Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht in Kirchhain.
Die Eintragung wurde am 19.04.2002 vom Amtsgericht bestätigt.


Der Vorstand :
Vorsitzender: Klaus Ahrens, Erksdorf, Stellvertreter: Jürgen Mohr, Erksdorf.
Kassierer: Karl Heinz Steinhaus, Erksdorf, Stellvertreter: Rainer Michel, Erksdorf.
Schriftführerin: Sigrid Diehlmann, Stadtallendorf, Stellvertreterin: Jutta Glöckner, Erksdorf.


( Bild vom ersten Spatenstich. )


Sofort wurde das ,, Bauprojekt Backhaus’’ von der Backgemeinschaft gestartet auf die wir so lange gewartet haben.
Auf den Platz in der Dorfmitte wurden die Fundamente ausgehoben. Die ersten Schwierigkeiten traten auf: Es wurden noch Fundamente vom alten Raiffeisengebäude gefunden. Diese mussten erst gebrochen werden, was sich als sehr schwierig erwies.
Es gelang aber.




Am 17. Juli 2003 wurden die Fundamente gegossen.

Anschließend eine kleine Feier auf das Erreichte. (Siehe unten )

Es konnte im August 2003 mit dem Mauern begonnen werden.



Heinrich Drescher, Ortsvorsteher im Ruhestand hilft beim anmauern.
Weitere Bilder vom Erstellen des Rohbaues :

Am 27. September 2004 konnte der Dachstuhl gezimmert werden.
Jürgen Mohr u. Herr Jasky im Bild.




Gelungen ein weiterer Abschnitt war erledigt.
Mitte Oktober 2003 konnte bereits das Dach gedeckt werden. Siehe unten

Im November konnten bereits die Fenster durch Ralf Biedebach eingebaut werden.
Der Schornstein war fertig gemauert, so das im Januar 2004 die Ofenbauer anrücken konnten.
Das Herzstück unseres Backhauses aus ca. 2800 Ziegelsteinen wurde gemauert. Drei Wochen intensive Arbeit.

Die Witterung konnte die Backgemeinschaft nicht abhalten am Backhaus weiter zu bauen. 


Der Backofen ist eingebaut..Ofenbauer Heuft.

Der Estrich ist eingebracht, so das die Feinarbeiten wie Fliesen und Inneneinrichtung beginnen konnten.

Im September 2004 war es so weit: Nach einem Jahr Bauzeit wurde das Backhaus fertig gestellt der Stadt übergeben.
Weit über 5000 Arbeits- u. Helferstunden lagen hinter der Backgemeinschaft.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist im Landkreis in dieser Form einmalig.
Die Fertigstellung wurde im Rahmen einer Einweihungsveranstaltung am 11. September 2004 gebührend gefeiert.

Einen Tag später, am 12. September, fand unser erstes Backhausfest statt.
Schon um 11.30 Uhr zur Andacht durch Pfarrer Till Follmann füllte sich der Platz um das Backhaus.
In den nächsten Stunden wurde unser Fest sehr gut besucht. Live Musik wurde von einem Zitherspieler gespielt.
Köstlichkeiten aus dem Backhaus, vom Grill und der Getränke Bar verwöhnten die Gäste.
Die Backgemeinschaft ist stolz das ihr erstes Fest von den Erksdorfern und Gästen aus den umliegenden Orten so gut angenommen wurde.


Symbolische Schlüsselübergabe durch den Bürgermeister M. Vollmer


Bilder vom 1. Backhausfest am 12. September 2004


(Weitere Bilder auf einer CD bei der Backgemeinschaft erhältlich.)

Ende September 2004 war die Grundschule Erksdorf zu Gast im Backhaus.
Die Grundschüler hatten in der Schule das Thema „ Vom Korn zum Brot ’’.
Höhepunkt war ein gemeinsames Backen im Backhaus.
Ende Oktober fand dann die zweite Veranstaltung für Kinder statt. Diesmal besuchte uns der Kindergarten aus Stadtallendorf.
Es sind weitere Seminare geplant.

Veranstaltungen 2012

Sonntag 09.09.2012 Backhausfest rund ums Backhaus mit der Backgemeinschaft 
Beginn 11.30 Uhr

10 Jahre Backgemeinschaft Erksdorf

Sonntag 02.12.2012 Weihnachtsmarkt in der Dorfmitte mit der Backgemeinschaft




Kontaktadresse :
Backgemeinschaft Erksdorf e.V.

Paul-Gerhard Linker Hans-Ludwig Str. 3

35260 Stadtallendorf-Erksdorf
Tel. 06428-5224